BAD HAIR DAY

Aus den Untiefen

8. April 2009 · Kommentar schreiben

Die letzten Wochen und Monate haben mein Blog an seine existenziellen Grenzen gebracht. Anscheinend ist ein Blog nämlich erst dann ein Blog, wenn es… wenn es regelmäßig gepflegt wird. In dieser Kategorie gibt es hier einige Defizite zu verzeichnen, einverstanden. Und sollte ich die definitorischen Grenzen weiter so übermäßig strapazieren, dann… aber das wollen wir doch nicht.

Wo war ich? Wer war ich? Spurensuche.

Durham, North Carolina. Ein gern und oft gesehener Gast in Perkins Library. Bekanntschaft mit Reinigungskräften um 4.30 Uhr morgens und daddelndem Mitbewohner um 7 Uhr. Mit Neuschnee und unheimlicher Stille um 5.30 Uhr auf dem Campusheimweg. Mit frühaufstehenden Heimatfreunden um 2 Uhr, online.

San Antonio, Texas. Remember the Alamo! Bizarre Zusammenkunft von republikanischem Lokalpatriotismus und multinationaler Ansammlung von Fulbrightern aus aller Welt (90 Länder!). Versuch, kaltes Corona im Pool auf dem Dach des Grand Hyatt zu genießen erfolgreich vom law enforcement unterbunden. Besser: hit the bars, endlich. Und das trotz britischem Erbe: Sperrstunde 2 AM.

Maui, Hawaii. Über den Wolken in der Mondlandschaft, auf 3000 Metern über dem Pazifik. Daumendrücken fur F.s Karre on the road to Hana. Durchhalten, nur noch einen Hügel! Farmer’s tan dank Sonne, Sommer, Autofahrt. Bauchansatz dank top chef und Pacifico Beer.

Berlin, Berlin. Und schliesslich, endlich wieder: X-Berg und Schmöckwitz, die wichtigste Frau von allen und die oberschlausten Schmocks von allen Stiftis. Im Waschsalon Max Weber lesen und auf dem Kickplatz: Was ne Serie! Nichts verlernt, der Junge. Aufgekratzte Überheblichkeit und dennoch heiteres Beisammensein.

Zuruck in RDU. Im Kopf noch einmal durchgehen: ATL, SAT, DFW, OGG, LAX, JFK, LHR, TXL. Jetzt Kopf frei machen. Die letzten vier Wochen Arbeit warten.

Und vielleicht mal Stückelsätze abgewohnen. Selbst wenn die Zeit so rast.

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Here we go again

12. Februar 2009 · 3 Kommentare

Fünf Wochen sind schon wieder ins gothic wonderland gegangen.

walzwalz

Vier neue Kurse, etwa fünfundzwanzig neue Bücher, bereits zwei durchwachte Bibliotheksnächte und, Tatsache, von neuem neues Interesse (schwer quantifizierbar). Frisch, neu und unerwartet diese Woche: der Frühling in North Carolina, Winterjacke ade.

Im Schlepptau natürlich altbekannter Stress, aber in neuer Dimension. Das normale Lesepensum ist ambitioniert bis unwirklich, die Essays und Arbeiten außer der Reihe aber sprengen den Rahmen. Meine Kommilitonen teilen sich in Außerirdische, die das reißen, und – mir bislang eher vertraute – normal Ebenirdische, die das nicht so ernst nehmen. Aber, Moment: War dieses Jahr nicht als Kontrastmittel zum FU-Mittelmaß gedacht? Nur einmal im Leben an einer echten Elite-Uni… Oder nein, Auslandsjahr gleich Ausspannjahr! Erzähl mir einer, Erasmus-Studenten würden wirklich was tun…

Spaß beiseite, ich nehm’s natürlich ernst und dumm wär ich, wenn nicht. Kurse mit fünf Mann, exzellente Dozenten, Kommilitonen, die wirklich die Texte gelesen haben – Osianer, horcht auf. Das ist tatsächlich einmalig, bei meinen Maßstäben.

verschneites wunderlandAber wo bleibt die Abwechslung? Kann ein Studentenleben auf library only reduziert werden? Es kann. Und trotzdem bietet allein der Mikrokosmos Duke genügend Abwechslung und Ausflucht. Ein starkes Kulturprogramm, selten Partys, und: Basketball.

College-Basketball ist Massensport. In den Staaten, in Duke: eine Religion. Die Blue Devils sind seit Jahrzehnten als Spitzenteam bekannt und stellen mit Mike Krzyzewski einen der populärsten Trainer des Landes. Das Cameron Indoor Stadium ist bei Heimspielen knallevoll – mit zahlenden Besuchern (bei regulären Ticketpreisen, für die auch ein Berliner WM-Finale drin gewesen wäre) und mit enthusiastischen Studenten, die für ihre Eintrittskarte allerdings nur stundenlang angestanden sind. Auch ich habe die Erfahrung gemacht beim 76:67 gegen Georgetown Ende Januar. Das Spiel als solches: Naja, kein Fußball. Aber weit spannender als der andere Sport mit B und der mit den großen, schweren, vielen Jungs. Die Atmosphäre: schlicht und ergreifend umwerfend. Die Duke-Fans heißen nicht von ungefähr Cameron Crazies.

Faszination B-Ball ist Tradition und Identitätsstiftung. Auch ne Tradition: für das prestigeträchtigste Spiel der Saison – gegen den Nachbar, North Carolina aus Chapel Hill – zelten. Kein Witz! Seit Anfang Januar wohnen ein paar hundert Verrückte vor dem Stadion in Zelten, um so an Tickets zu kommen. Das ganze heißt dann Krzyzewskiville, ist für einige Wochen eine riesige, versiffte Party und landesweit legendär.

Tradition ist darüber hinaus, nach dem Spiel ein riesiges Siegesfeuer auf dem main quad zu entfachen. Naja. Besagtes Spiel war heute Abend, die Tradition der letzten vier Jahren ist leider auch, das Derby umkämpft, aber doch deutlich an die Tar Heels abzugeben, und was soll ich sagen? 101:87 war deutlich. Das bonfire viel übrigens wegen zu starken Windes aus.

Trübsal, Trübsal! Was soll man machen? Einfache Frage. Ab in die Bibliothek, natürlich.

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Just a mirror for the sun

27. Januar 2009 · 1 Kommentar

Letztens mit H. und einem 7-Sitzer Dodge Grand Caravan unterwegs. Drei Wochen roadtrippin durch 16 Bundesstaaten, Schnee, Schneeregen, Schneesturm, Regen, Sonne, Eiseskälte, Sonne (!) und, äh, eine Zeitzone.

Frau und AutoDurham NC – Bluemont VA – Boston MA – Cambridge MA – Killington VT – Woodstock VT – Portsmouth NH – Ogunquit ME – Mansfields MA – Harlem, New York City NY – Philadelphia PA – New Castle DE – Baltimore MD – Williamsburg VA – Hampton VA – Charleston SC – Mt Pleasant SC – Tybee Island GA – Savannah GA – St Augustine FL – Durham NC, das, genau, das war unsere Route roughly entlang der Atlantikküste.

Jetzt stehe ich dummerweise vor dem Dilemma, das dieses Blog explizit NICHT als Reiseberichtablage deklariert wurde. Ein paar Eindrücke dürfen ob ihrer soziokulturellen und persönlichen Bedeutung dennoch geschildert werden. Okay?

Was bleibt also? Sicher die schier endlose Vielfalt. Nur schwer lässt sich begreifen, dass sich all diese Orte in ein und demselben Land befinden sollen. Dass New York eine andere Welt als der Rest der Staaten sein sollte, wurde mir schon vorher gepredigt. Neu war dann die Einsicht, dass sich Leute aus einer Neuenglandkleinstadt, sagen wir, des grünen Vermonts und auf der anderen Seite, zum Beispiel, einer ländlichen Siedlung des südlichen Virginias, dass sich die also  nicht wie Bewohner zwei verschiedener Planeten fühlen müssen…

Was verbindet? Drei Wochen im Kurs „Nationalismus, Patriotismus, amerikanischer Exzeptionalismus“ lösen bei mir eigentlich die reflexhafte Antwort von Freiheit, Fortschritt, beacon of liberty aus. In echt ist’s vermutlich profaner. Denn was uns auf der Reise nie verlassen hat, dass waren die Ausblicke auf die immer gleichen malls, Einkaufszentren in den Größenordnungen von riesig bis gigantisch, mit den sich immer wiederholenden Kettengliedern: Walmart, Mc Donald’s, Burger King, Wendy’s, Food Lion, Target, Blockbuster, Staples, Walmart, Waffle House, Walmart. Und Red Roof, das von uns zigmal beehrte Budgethotel an Autobahnkreuzungen und -auffahrten.

VorstadtidylleEinheitsbrei ist ungefähr auch der Ausdruck, der für die so genannte Vorstadtidylle zu gebrauchen wäre. Suburbane Individualität drückt sich in drei verschiedenen Eigenheimmodellen aus, die in willkürlicher Reihenfolge immer wieder wiederholt werden, Kilometer an Kilometer.

Halt. Ich sprach von der Vielfalt! Die hat sich tatsächlich tiefer ins Gedächtnis gegraben als sonst die, gut, schwer erträglichen Absurditäten. Ich greife mal in die Erlebniskiste.

Cambridge, Massachusetts, etwa, wuselige Universitätsstadt auf der anderen Seite des Charles River, Harvard- und MIT-geprägt, super Buchläden. Knöllchen: 55 Dollar. Boston, geschichtsträchtig, irisch, italienisch. Oder Woodstock, Vermont, eingeschneit in den Wäldern der Green Mountains, richtig freundlich und putzig. Im benachbarten New Hampshire zeigen die Autoschilder: Live free or die! Und Konsumsteuer gibt es nicht. Ein Spaziergang auf zugeschneiten Küstenfelsen im südlichen Maine. Im Schneesturm in Connecticut festgesteckt. Im Eisregen in New York Einzug genommen und stolz den Großfamilienwagen durch die Hügel Harlems und zwischen sommerbereiften Großstädtern in die 139th, Ecke Broadway, manövriert. Genuss des WG-Lebens ohne Mitbewohner in der Exilantenbude im Herzen eines Viertels, das heute nicht mehr nur schwarz, Vorzüge der Domestizierungsondern vor allem hispanisch ausschaut. Verzweifelte Versuche, alles, alles von New York zu sehen – erfolgreich aufgegeben nach sieben Tagen. Türverriegelung von innen zum ersten Mal bewusst betätigt in den nördlichen Vorstädten von Philadelphia (Germantown!), nervöser rechter Fuß an jeder Ampel. Was, zehn Dollar fürs Parken? Wenn’s der Sicherheit dient… Die Götter von Soulive live angehimmelt… Auto noch da? Dann: Freiluftmuseale Abschreckung in Williamsburg, Virginia. Erschreckende Armut und Tristesse im Süden der old dominion und im Norden – meines! – North Carolinas. Immer noch kein warmes Wetter in South Carolina, aber Charleston hat zumindest die schönsten Südstaatenhäuser. In Georgia reichen die Sümpfe bis zum Horizont, die Bäume sind uralt und massiv, und von oben hängt das Lousianamoos. Und Savannah ist die sympathischste aller Städte plus, endlich, gutes Wetter. Saint Augustine ist der Floridapflichtbesuch mit, äh, einem schönen Strand.

Am 6. Januar zurück in Durham: Frühstücken mit Chocolate Chip Cookies und Blueberry Muffin zur Freizeitlektüre der Bostock Library. Einmal tief durchatmen, Abschied nehmen.

Wenigstens wir bleiben uns noch für vier Monate erhalten: Hassliebe Gastland und ich.

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aufreisend

31. Dezember 2008 · Kommentar schreiben

Liebe Mitleser, nachträglich erträgliches Weihnachtsfest und im Vorgriff ergreifenden Jahreswechsel!

Maximale Mobilität dank Auto und Ferien auf dem Ostküstentrip hieß bislang auch: langstreckenweise virtuelle Immobilität. Daher so weit keine Meldung und die nächste inhaltsreiche sei hiermit auch schon mal prokrastiniert.

Zu erzählen gibt’s dann sicher was. Wir machen uns jetzt weiter auf nach South Carolina, 2009 soll’s noch bis nach Florida gehen. Hermance grüßt herzlich.

Macht’s gut, ihr.

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Weil sonst nichts ist

18. Dezember 2008 · 2 Kommentare

Asheville, North Carolina, ist das Alternativenmekka der Südstaaten, Magnet für Hippies, Freaks, Liberale und Gesocks: weird people.

Thanksgiving feiern praktisch alle Amerikaner mit ihren Familien. Das ganze Land setzt sich in Bewegung, die Massen walzen dem heimischen Truthahn entgegen.

Internationale Studenten haben ganz offensichtlich keine Familie in den Staaten. Weird people offenbar auch nicht.

Wie wird ein Schuh draus? Naja. Im Goldfischhostel (15 Taler/Nacht) treffen wir auf interessante und witzige, bizarre und unheimliche Persönlichkeiten. Darunter: Der Typ mit den ungewaschenen Haaren, der auf einem Bein stehend im Neuen Testament liest und den ganzen Abend lang immer mit einem Meter Abstand hinter mir herläuft. Oder der verkaufte Zwillingsbruder von Jeff Bridges aus The Big Lebowski. Der Dude erzählt seine Krankheitsgeschichte vier Mal allein am ersten Tag und fährt sonst Taxi. Und schließlich die Frau, die fünfzehn Filme ausleiht und so drei Tage auf der Couch verbringt.

Asheville ist eine nette Stadt, vor allem im Vergleich zu Durham. Um Asheville herum gibt es Nationalparks und Wälder, Wälder, Berge, Wälder. Am zweiten Tag machen wir einen Spaziergang und fahren schön viel Auto. Am Abend des zweiten Tages finde ich meine Uniunterlagen nicht mehr. Erfahrungsgesättigt suche ich die Schuld bei mir und die Unterlagen im ganzen Haus. Hmm. Dann findet A.N. ihre Unterwäsche nicht mehr, F. vermisst seine Hosen und A.B. ihre Bettdecke. Pullover, Socken, Shampoo? Wenigstens der Laptop ist noch da.

Die Schuldige ist bald ausgemacht. Die DVD-Frau hat in einem kleptomanischen Anfall „aufräumen geholfen“. Hostel-“Manager“ Justin muss mit der Polizei drohen, ist schwer unter Druck, und außerdem kommen gerade seine Eltern zu Besuch (Thanksgiving!). Schließlich Rauswurf. Mutter weint. Mitreisende Mädels durch den Wind. Niklas: Bierbedarf.

Moment, was ist mit den anderen Freaks? Der Bibeltyp war schon am Tag zuvor wegen ungezahlter Nächte gegangen worden, aber was macht der Dude? Nimmt mich in den Arm und beginnt sich wortreich zu entschuldigen. Was war jetzt noch passiert? „Niklas, es tut mir so leid. Wie kann ich das wieder gutmachen?“ Bitte?

„Niklas, als ich heute morgen verkatert auf der Couch aufwachte. Da waren Nudeln auf meinem T-Shirt.“ Und? „Niklas, ich habe deine Pasta aus dem Kühlschrank gegessen!“

But sometimes, there’s a man – and I’m talkin’ about the Dude here – sometimes, there’s a man, well, he’s the man for his time and place. He fits right in there.

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Die spinnen, die Griechen

26. November 2008 · 1 Kommentar

Kein Zweifel, hier geht’s um eine Elite-Universität. Duke verfügt zwar nicht über den Altersvorteil von Harvard oder Yale und hat sicher noch Boden gut zu machen beim internationalen Bekanntheitsgrad fernab akademischer Kreise, trotzdem aber tummelt sich hier ein bestimmtes Völklein.

In Harvardyale, heißt es hier, sei man umgeben von Amateurautisten, ausschließlich Menschen mit außergewöhnlichen Begabungen, bunten und vielseitigen Mischungen. In Duke, so wird auf der anderen Seite geätzt, sei man vor allem umgeben von Kindern wohlhabender Neuenglandfamilien und Nachkommen alter Südstaatenaristokratie. Die seien sich im wesentlichen ziemlich ähnlich.

Zur Rechtfertigung: Eine im relativen Sinne junge Uni wie Duke muss, um die Besonderen – aber nicht zwingend Wohlhabenden – ebenfalls anlocken zu können, ausgiebig aus der upper class rekrutieren. Die zahlen nicht nur Studiengebühren, sondern sind insbesondere auch potenziell potente Geldgeber als Alumni. Deren Zustiftungen machen den Löwenanteil des Dukebudgets aus und ermöglichen letztlich die Stipendien. Unis wie Harvard sitzen dank des Zeitvorsprungs bereits auf einem noch dickeren Geldsack und können derartigen Problemen weniger Aufmerksamkeit widmen.

Im Seminar wurde heute class & mobility diskutiert: aktuell ein heißes Eisen in einer Gesellschaft, die gerade erst realisiert, dass jene amerikanische Grundfeste – vom unbedingten sozialen Aufstieg dank harter Arbeit – bedenklich wackelt. Und der Traum nicht nur Traum bleibt, sondern sich vielleicht bald ausgeträumt hat.

Über Geld zu sprechen ist hier keineswegs so delikat wie in Deutschland. Also decken alle Seminarteilnehmer erst einmal den familiären Hintergrund auf. Zwei stufen sich als middle class ein, zwei als upper middle class, sieben als upper class. Wie, ein Wochenendhaus am See und der Besuch einer Privatschule machen schon upper class? Na gut, middle class minus eins, upper class plus eins.

Bemerkenswert ist dennoch die relative Ehrlichkeit und geringe Falschwahrnehmung der eigenen Situation. Studien haben immer wieder gezeigt, dass die große Mehrzahl der Amerikaner sich als middle class einstufen, egal ob sie 20.000 oder 80.000 Dollar im Jahr verdienen, LKW-Fahrer oder Lehrer, Arbeiter und Handwerksmeister.

Auf dem Campus sollten die Unterschiede eigentlich verschwinden. Alle tragen ausgelatschte Duke-Pullis, alle bekommen Noten vom gleichen Professor, alle sind Fans des selben Basketballteams. Aber wer sich ein bisschen auskennt, kann die Zeichen deuten. Wo auf dem Campus man etwa wohnt, hier differieren die Preise. Was für ein Auto gefahren wird. Wo der Urlaub hingeht. Und so fort. (Eine hervorragende Reportage hierzu ist im Jahr 2003 im Towerview-Magazin erschienen.)

Und schließlich, wer kann sich die Mitgliedschaft in einer der Fraternities oder Sororities leisten, die häufig um die eintausend Dollar im Jahr kosten?

Meine Professorin hat Anfang der Siebziger in Duke studiert und erzählt heute, dass ihr Jahrgang zwei Jahrbücher rausbrachte: Eins für die greeks und eins für die freaks.*

* Die Namen der – im Regelfall unpolitischen – Studentenverbindungen setzen sich aus griechischen Buchstaben zusammen (Alpha Epsilon Phi, Delta Sigma Phi, etc.)

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F*#K! Große Leere oder was?

18. November 2008 · 2 Kommentare

Ey, sorry, ey. Schon wieder zwei Wochen Blogabstinenz. Drängende Eingaben verzweifelter Fans haben meine Rückkehr an die Tastatur veranlasst. Besserung, ich schwör’s!

Die Wahlen hatten zunächst ein riesiges Loch zurückgelassen und Gähnen und Leere. Mit was sollte ich mich jetzt noch beschäftigen? Tagesrhythmus völlig durcheinander, Leitmotiv fehlt, Gedanken im Leerlauf. Zum Glück nahm das issue wieder an Fahrt auf, es rauschte im Blätterwald und – Himmel! – der Gesprächsstoff ging nicht aus: Was war das jetzt eigentlich und was kommt auf uns zu? *

Geil! Erst mal hier schön Nachbesprechung. Erinnert sich jemand noch an meinen Was-macht-diese-Wahlen-besonders-Erklärungsversuch vom Anfang? Lächerlich, vergesst das. Jetzt kommt’s:

Die erste absolute Stimmenmehrheit eines Demokraten seit Jimmy Carter. Das beste Ergebnis eines Nordstaat-basierten Demokraten seit FDR. Die Wählergruppe 18 bis 30 Jahre ist zum ersten Mal der 65-plus-Gruppierung zahlenmäßig überlegen (erstere wählen zu zwei Dritteln demokratisch). Und unter denjenigen, die mehr als 200.000 Dollar im Jahr verdienen, gewinnen die Demokraten 17 Prozent dazu. Was bitte ist bitterer für eine Partei, die ihre Steuerpolitik für Jahrzehnte allein an den Superreichen ausgerichtet hat? Und das in einem Jahr, in dem it’s the economy, stupid gilt. Quo vadis, GOP, sag ich mal.

Soweit diese knallharte, zahlenbasierte Analyse. Für weitergehende Interpretationen reicht die Kraft nicht mehr. Ich persönlich fühle mich jetzt ganz schön ferienreif. Ein Semester mit einer noch nie dagewesenen Zahl von Essays, Reports, Klausuren, study questions und take home exams fordert seinen Tribut – und geht seinem Ende entgegen.

Und abends, wenn ich mein Buch in die Hand nehme, frage ich mich zum wiederholten Male zu Beginn des zwölften Kapitels, wer zum Henker Stillington, Butler und diese Lady Eleanor sind. Wie hieß der vermaledeite Protagonist nochmal? Schlage das Buch zu und kann nicht schlafen.

Aber wer so mit seinem Tagesnachtrhythmus umgeht, braucht sich nicht wundern… Letzte Woche Mittwoch, da bin ich für meinen Essay wirklich bis sieben Uhr morgens in der Bibliothek geblieben.

Kein Scheiß!

* Die Antwort auf die Frage nach dem „Was jetzt?“ bereite ich seit Tagen vor. Darin: Warum ein Hund im Weißen Haus und Bob Dylan auf dem iPod keine Hindernisse auf dem Weg zu einer historischen Präsidentschaft sind.

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So war das!

5. November 2008 · 1 Kommentar

In Chicago kommt Familie Obama auf die Bühne, nähert sich den Tausenden von wartenden Anhängern, sie winken in die Menge, umarmen sich. Um mich herum erheben sich etwa 150 Studenten von ihren Sitzen, klatschen minutenlang: Standing Ovations für den 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Und dann wird zum ersten Mal der Geräuschpegel an diesem Abend heruntergefahren, und es ist nur noch die Stimme Barack Obamas zu hören.

Wie gebannt starren die Leute auf die Leinwand, viele mit Tränen in den Augen. Jedem zweiten Satz folgt frenetischer Jubel. Zum Ende spricht der ganze Raum die Worte nach: „Yes we can.“ Spätestens jetzt ist auch dem letzten Zweifler klar geworden, dass der dünne Schwarze mit den großen Ohren es geschafft hat.

Im Terry Sanford Institute for Public Policy sind vier Leinwände aufgebaut worden: eine große für die CNN-Übertragung, die weiteren zeigen MSNBC (für die Demokraten), FOX News (für vereinzelte Republikaner) und Comedy Central (für die, die es nicht ganz so ernst nehmen). Von den Anhängern der Republikanern ist ziemlich bald nichts mehr zu hören, und nach meinem Eindruck verkrümeln sich die meisten nur wegen der unerträglichen Hitze im Demokraten-Zimmer zu FOX.geBANNt

Der erste große Jubel brandet auf, als Pennsylvania Obama zugesprochen wird. Es sieht so aus, als ob die Demokraten zumindest ihr Stammland von 2004 ausnahmslos verteidigen könnten. Was aber kann Obama dazugewinnen?

Kurze Zeit später wird es wieder laut: North Carolinas amtierende Senatorin Elizabeth Dole wird von der relativ unbekannten Kay Hagan deutlich besiegt. Viele der anwesenden Parteiaktivisten der Demokraten reklamieren daran ihren Anteil.

Um kurz nach halb zehn wird Ohio von CNN zum „blauen Territorium“ erklärt: Wieder Jubel, aber nur den Wahljunkies vor ihren Laptops ist schon hier völlig klar: Den Abend kann John McCain abhaken. Die benötigten 270 Wahlmännerstimmen sind in unerreichbar weite Ferne gerückt.

Es ist bereits elf Uhr, als die großen Sender beginnen, die Wahl für beendet zu erklären. Jetzt sind wirklich alle aus dem Häuschen. In ausgelassener Stimmung werden die Reden des Verlierers in Phoenix und des neuen Präsidenten in Chicago erwartet.

Leider wird diese Nacht nicht mehr preisgeben, wer schließlich unseren Staat North Carolina gewonnen hat. Aber wer schert sich jetzt noch darum?

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Ach, ihr wisst schon

3. November 2008 · Kommentar schreiben

Heute nachmittag wollte ich in einem Anflug von ungekannter Effizienz den Verzehr meines Grilled Chicken Sandwichs mit der Lektüre meiner Seminartexte für morgen verbinden. Unmöglich gemacht hat das der Fernseher schräg über mir, was mir wiederum die sonst rare Möglichkeit bot, für 21 Minuten den Lokalsender News 14 Carolina zu verfolgen. Von den 21 Minuten entfielen 2 auf Polizeiberichte (gestern zwei Morde in Durham), 4 auf Staumeldungen, 5 auf Wettervorhersagen und 10 auf Wahlwerbung (Pat McCrory for Governor, Roy Cooper for Attorney General, Leslie Merritt for State Auditor sowie Elizabeth Dole for US Senate bzw. eher gegen ihre Herausforderin – ein Meisterstück des politischen Schlammwurfs und der Denunziation, das heißt hier negative campaigning: „Kay Hagan will uns unseren Glauben wegnehmen“).

Einen Tag vor dem ersten Dienstag nach dem ersten Montag im November in einem Jahr, das durch vier ohne Rest teilbar ist, ist das Wahlkampfgetöse auf bedenkliche Lautstärke angewachsen. Und bei mir wechseln sich ausgereifte Zuversicht und das nackte Grauen stündlich ab. Was für ein unerträglicher Zustand für rationale, nüchterne und unaufgeregte Sozialwissenschaftler: Nichts und niemandem ist zu trauen. Okay, da gibt es also diese Vorhersagen, sogar eine ganze Menge davon. Dann aber erwarten die gleichen Leute, die diese Umfragen konzipieren, für morgen eine Wahlbeteiligung von historischem Ausmaß. Jungwähler und Schwarze werden in nicht gekannten Massen zu den Urnen streben. Wie also wird das known unknown (US-Militärsprech) in den Modellen berücksichtigt bzw. wird es überhaupt berücksichtigt und wie soll etwas berücksichtigt werden, das weder in seinem Ausmaß noch seiner Wahrscheinlichkeit bekannt ist?

Ich habe mich entschieden, in diesem Fall einfach auf soliden Aberglauben zu vertrauen. Denn wenn der Sportclub am Sonntag beim FC Ingolstadt (bitte, wo?) mit 0:4 unter die Räder kommt und am Montag die SPD ihr Schicksal in Hessen endgültig an die Wand fährt, dann muss doch wenigstens am Dienstag das Gute siegen.

Wie? Das könnte genauso gut das Gegenteil bedeuten? Blödsinn. Da spricht nun wirklich alles im gesunden Menschenverstand dagegen. Oder muss es jetzt dafür heißen? Ach, ihr wisst schon.

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Blogblockade

2. November 2008 · Kommentar schreiben

Zugegeben: Diese Sendepause ging länger. Erst: Hielt mich eine Prüfungsphase auf. Dann: Washington D.C. Schließlich: eine Siebentagesgrippe. Und zuletzt: War ich gedanklich einfach blockiert. Schuld sind natürlich diese Wahlen, die mich noch immer von morgens bis abends beschäftigen. Klar ist heute: Der Kopf weiß, dass beinahe alles für den O-Sieg am E-Day spricht. Aber dem Bauch ist unwohl und – kann man denn irgendeiner Vorhersage hier eigentlich trauen? … Bis Dienstag bleibt nur Beten.

Was passiert hier sonst? Während geschätzte Kommilitonen in heimischen Gefilden gerade so ins Wintersemester hineinbummeln, muss ich diese Woche schon meine Kurse für das Frühjahrssemester wählen. Die Mittsemesterklausuren sind schon lange um, und die finalen Prüfungen sind gar nicht mehr so weit weg. Vom hehren Ziel, wenigstens einmal im Studium alle Texte in einem Semester gelesen zu haben, musste ich mich schon lange verabschieden. Der Arbeitsaufwand bleibt umwerfend. Und die Themen spannend! Ich lerne wirklich was.

Nebenher habe ich mich mit Durham doch ein wenig besser bekannt gemacht, will heißen: das gesehen, was in Durham wichtig ist – die beiden Straßen 9th Street und Main Street. Ein Fulbright-assoziierter Holländer hat hierzu treffend analysiert: eine Einwohnerzahl von fast 200.000 plus eine mittelgroße Universität – was erwarten wir? Eine bunte Studentenstadt mit Kultur, Nachtleben, Vielfalt.

Dem ist leider nicht ganz so. Im übrigen empfiehlt es sich generell nicht, einfach europäische Maßstäbe anzulegen.

Das soll jetzt nicht resigniert klingen! Ein Feierabendbier im James Joyce macht durchaus Laune, ein Donnerstagabend im Satisfaction kann großer Spaß sein, auch wenn hier das „Bier“ in Putzeimern ausgeschenkt wird. Die Duke-Welt bietet ohnehin beinahe alles, was Freizeit auffüllen könnte und insofern wäre die Stadt drumrum nicht von so großer Wichtigkeit. Und trotzdem, manchmal muss man mit den Ohren schlackern. Warum nochmal fahren vom „Bahnhof“ Durham, North Carolina, täglich vier (in Ziffern: 4) Züge?

Darum: Entschuldige ich mich hiermit in aller Form, Müllheim jemals „provinziell“ genannt zu haben. Hoch lebe das Mittelzentrum!

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